Kompliment!

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Freitag Morgen, 6:03 Uhr, draußen vor dem Haus.
Ich wanke grummelnd mit einer vollgepackten Tüte zur Mülltonne.
Da ruft es freundlich vom Hof nebenan herüber: „Guten Moooorgen, Frau Loooogan!“
Ich: „Gtn Morn, *grumelgrupmf*“
(Ihr merkt schon: Er Lerche, ich Eule!)
Freundlich-fröhlicher Nachbar: „Mensch, Frau Logan, Sie sehen heute Morgen so richtig schön ausgeschlafen aus, Kompliment!“
Ich: „Ja. Das liegt daran, dass ich gestern schon um 19 Uhr todmüde ins Bett geplumst bin!“
FF-Nachbar: „Und Ihre Haare, Frau Logan, so locker und glänzend, Kompliment!“
Ich: „Ja. Weil ich die heute Nacht um halb 3 gewaschen habe. Weil Mittleres heute Nacht auf mich drauf gekotzt hat. Und mit ‚auf mich drauf‘ meine ich Brust, Hals und Haar.“
FF-Nachbar: „Äh … ja, also dafür, also … äh … dafür sehen Sie aber richtig schön frisch aus, liebe Frau Logan. Äh.“
Ich: „Ja, weil ich heute nacht um halb 5 sowie flüssige Sch- soviel Unrat wegschrubben musste, dass ich dann gleich duschen gegangen bin.“
FF-Nachbar: „Oh, oh je, die armen Kleinen …“
Ich: „Ach, keine Sorge: Denen geht es schon wieder super!“
FF-Nachbar: „Äh … Aber immerhin, liebe Frau Logan, sind Sie so früh schon fleißig! Also um diese Zeit schon Müll runterzubringen, Kompliment!“
Ich: „Ja ich dachte mir, wenn ich schon runtergehe und die Kotz- und Kackwäsche anstelle, kann ich auch gleich die Tapete entsorgen, die Kleinstes gestern im Wohnzimmer erst angemalt und dann abgezogen hat.“
FF-Nachbar: „Äh …“

Im Ohr des Betrachters

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(An dieser Stelle erstmal ein GANZ HERZLICHES DANKESCHÖN!!!! an den Schubert Verlag; die liebe Julia hatte mich darauf hingewiesen: Dieser Verlag stellt für nicht-komerzielle Zwecke unter Quellenangabe KOSTENLOS ganz viele tolle Arbeitsblätter und Online-Aufgaben für Deutsch als Fremdsprache zur Verfügung! Das Blatt, um das es hier geht, ist die Nr. 71 bei A1-A2)

Der Schüler aus dem arabischen Sprachraum soll jeweils einen Hauptsatz mit einem Nebensatz verbinden.
Schüler (liest): „Ich lerne Deutsch … weil ich damit besser aussehe“
Molly (lacht): „Oh Mann, wie kommst Du denn auf sowas? Warum solltest Du besser aussehen, wenn Du Deutsch sprichst?“
Schüler: „Kommt ein Freund, sagt ‚Na, hallo, wie geht es Dir?‘ auf Arabisch und ich sage: ‚Mir geht gut, wie geht es Dir, schones Wetter heute, was?‘, die Leute gucken mich bose an. Dann sagt einer zu die andere: ‚Guck mal, der redet nur Arabisch, bestimmt der redet schlecht uber uns!‘ Aber wenn ich spreche Deutsch, die deutsche Leute lächeln und sagen: ‚Hey guck mal, der redet Deutsch!‘ und gucken nicht mehr bose. Dann sehe ich fur den besser aus!“

Die Ambivalenz des Bloggens

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Eine liebe Leserin (ja, ich mein genau DICH!) fragte mich neulich, ob ich ihr WP empfehlen könnte und was ich davon halten würde, wenn sie das Bloggen beginnt. Warum ich diese Frage in aller Öffentlichkeit beantworte? Um Euch alle an meiner Weisheit teilhaben zu lassen, was denn sonst (ich hoffe, das stört Dich nicht)?

Also: Ein netter, fröhlicher Mensch (oder ein Psychopath, der sich als solcher tarnt) möchte das Bloggen beginnen. Was halte ich davon?
Ehrlich, liebe Leserin, ich möchte Dich schütteln und Dir ins Gesicht schreiben: „Nein, Nein, tu es niiiiiiicht!“

Kaum hatte ich diesen Gedanken, kam auch schon die lästige Arbeit auf mich zu, mich damit auseinanderzusetzen und mir und all meinen Fans Lesern da draußen die stilvoll Frage, „WTF?“ „Äh, und warum nicht?????“ zu beantworten.

Bloggen. Ich habe keine Fakebuukseite, daher sind meine Aussagen vielleicht darauf übertragbar, vielleicht auch nicht, keine Ahnung.
Das Bloggen also.
Liebe ich es? Jaaaa!
Ich liebe es zu bloggen. Als ich mein Blog vor Jahren startete, war es wie eine Befreiung: Mangels adäquater Gesprächspartner konnte ich endlich meinen Gedanken wieder freien Lauf lassen. Mein Gehirn beschäftigen. Eier anspruchsvolleren Tätigkeit als Fläschchen machen oder Hausarbeit nachgehen. Ich habe immer schon gerne geschrieben und endlich hatte ich einen „Vorwand“, mehr noch, einen Grund: Da draußen sind Menschen, die gerne lesen, was ich schreibe!
Es war herrlich.
Und ist es noch.

Außerdem – ja, es klingt ein wenig jämmerlich – hat mir das Blogggen auch einen Teil Einsamkeit genommen. Kommunikation mit Lesern via Kommentar oder auch ab und an EMail ist Kommunikation mit Menschen. Bevor ich mein Blog startete, bin ich manchmal wie eine alte, vereinsamte Frau morgens zum Metzger gegangen, nur, um mal ein wenig mit irgendwem zu plaudern oder überhaupt erwachsenen menschlichen Kontakt zu haben. Traurig.
Da hat mir das Bloggen einiges gegeben.

Ebenso in Sachen Schreibübung (Ich merke, dass ich manche Dinge mittlerweile besser, souveräner und schneller ausdrücken kann), Umgang mit Menschen und auch mit Kritik, sei sie nun berechtigt oder nicht.
Wer bloggt, muss auf zwei wesentliche Dinge gefasst sein: Zum Einen, dass es überall A*schlöcher aka Trolle gibt und wenn man Pech hat, wird man von einem (oder mehrerern) gefunden. Hat man erst mal so jemanden an der Backe, können die einem ganz schön das Bloggen vermiesen oder einen ganz allgemein sehr unglücklich machen, wenn man nie gelernt hat, mit so etwas umzugehen. Letzteres sollte man dann ganz schnell nachholen.
Die zweite Sache, auf die man sich gefasst machen muss ist die, dass es sein kann, dass es schlicht und ergreifend kein Schwein interessiert, was man so vor sich hin bloggt.
Es gibt sie zu tausenden: Nette, ganz witzig geschriebene Blogs zweifellos guter, freundlicher Menschen, die ebenso zweifellos viel Zeit und Mühe auf ihre Blogs verwenden – und jahrelang ohne oder lediglich mit einer Handvoll Follower und – viel schlimmer! – ohne einen einzigen Kommentar vor sich hindümpeln.
Könntest Du das ertragen? Ich nicht!

Bloggen, das muss ich ganz klar sagen, ist Teil meines Lebens geworden. Und damit komme ich zu der „Hauptsache“, warum ich Dir das Ganze im ersten Moment ausreden wollte: Bloggen nimmt auch viel!
Zumindest, wenn Du a) ähnlich gestrickt bist wie ich und b) tatsächlich irgendwie „erfolgreich“ sein willst und nicht nur ein „Tagebuch“ für Dich allein führen möchtest.
Hier gibt es sicherlich Parallelen zu Fakebuuk&Co.: Bloggen macht ziemlich süchtig! Es gibt tatsächlich Blogger, die nur alle Naselang bloggen und tatsächlich nur, wenn sie Lust haben. Dummerweise wirkt sich ein unregelmäßig und selten geführtes Blog aber katastrophal auf die Leserzahlen aus; wäre für mich also ein absolutes No Go! Bloggen nimmt Dir Lebenszeit. Punkt. Das ist einfach so. Es ist ja nicht damit getan, seine eigenen Texte zus chreiben oder Kommentare zu beantworten. MAn schaut sich um. Liest andere Blog, beginnt, sie zu verfolgen. Und zack! hat man 34 Blogs im Reader und die sind alle toll und witzig und unterhaltsam und die Blogger sooo nett und ehe man es sich versieht, verbringt man jeden Tag allein 1 Stunde damit, anderleuts Geschriebenes zu lesen, ohne selbst auch nur eine Zeile verfasst zu haben. Dann muss man die Notbremse ziehen

Ja ich weiß, es geht nicht jedem so. Aber mir ging es so und wenn ich mir die Blogrolls anderer Blogger anschaue und auch, wo sie überall kommentieren scheint dieses „Problem“ doch weit verbreitet zu sein.
Man bleibt – wie generell oft wenn man im Internet unterwegs ist – stänndig irgendwo hängen, folgt Link um Link und sitzt am Ende da und hat … so gesehen gar nichts gemacht im sogenannten „real life“.

Das Real Life.

Das musste schon oft warten, wenn ich „mal eben“ Blog stiezen wollte, was schreiben, was lesen, einen Kommentar beantworten. Ist absolut OK, so lange es im Rahmen bleibt.
Und wenn nicht?

Bloggen ist großartig, aber es ist_nicht_das_wahre_Leben. Die Gefahr besteht, dass sich die Trennlinien verwischen.

Ich erzähle hier aus Annonymitätsgründen nicht oft davon, aber ich habe mehrere „Real Life-Projekte“ am Start.
Anfangs war das nicht so – vor allem nicht zu der Zeit, in der ich täglich gebloggt habe. Das war ungesund. Vielleicht ist es auch eine Frage des Gemüts? Menschenscheuen Personen wie mir hilft ein Blog, mit anderen zu kommunizieren, ja. Aber es hilft auch, mich einzugraben. Noch weniger raus zu gehen. Liefert mir Vorwand und Grund, einfach den Status Quo beizubehalten, weil „ich hab ja mein Blog, wo ich mich austoben und Leute kennenlernen kann!“
Die virtuelle Welt darf niemals die echte ersetzen!

Vielleicht, liebe Leserin, betrifft Dich das alles gar nicht. Vielleicht mache ich mir ganz umsonst Sorgen. Vielleicht bist Du so eine die einfach nur ein bisschen nebenher plaudern und schreiben will. Und das Ganze im Griff hat. Vielleicht.
Vielleicht startest Du Dein Blog (Ich kann WP da übrigens nur empfehlen; es dauert seine Weile, bis man sich durchgewuselt und durchgekämpft hat, aber hat man das erst mal geschafft, läuft es!🙂 ) und widmest ihm tatsächlich nur ein paar Stunden die Woche. Vielleicht bereichter es Dein Leben so, wie es meins bereichert hat, nur ohne die Nebenwirkungen. Du hörst auf den Rat einer alten, weisen Bloggerin und tappst nicht in die Zeitfresserfalle, fängst nicht an, Dein RL zu vernachlässigen, benutzt das Blog, ohne dieser Welt zu verfallen.

Ja, ich möchte Dich am Kragen packen, schütteln und anschreiben: „Liebe Leserin! Was soll das mit dem Bloggen? Geh raus, triff Dich mit Freunden und wenn keine verfügbar sind, such Dir zusätzlich neue! Such Dir Gleichgesinnte oder starte eine Treffgruppe! Geh raus, geh in Cafes, geh bummeln, such Dir einen Job oder ein Hobby RL, in dem Du das „loswerden“ kannst, was Dich zum bloggen bringen mag. Lebe RL und halt Dich fern von hier!“

Und jetzt warte ich gespannt auf Eure Kommentare, damit ich wieder was zum kommunizieren habe.😉

So, jetzt noch ein knackiger, zusammenfassender Schlußsatz, der meiner lieben Leserin das Gefühl vermittelt, dass ich toll bin gut beraten worden zu sein und mich gleichzeitig absichert, falls was schief geht gleichzeitig noch einmal auf die Vor- und Nachteile des Bloggens hinweist.
Hm.
Also: Ich finde Dich super-symphatisch, liebe Leserin, und freue mich immer über Kommentare und Mails von Dir! Du schreibst witzig und unterhaltsam und sicherlich weit besser, als so einige andere Blogger. Du bist intelligent und charmant und ich würde Dein Blog mit Sicherheit gerne lesen. Wenn ich Zeit dafür finde.😉
Ich kann mir gut vorstellen, dass Dir das Bloggen genauso gut tun wird, wie es mir damals getan hat. Es war wie ein kühler Schluck Wasser nach Tagen des Durstes. Nur, äh, psychisch.😀
Aber bitte überleg dennoch, ob Du das selbe oder etwas ähnliches nicht irgendwie RL erreichen kannst.
Und wenn Du doch ein eigenes Blog startest, wünsche ich Dir viel Freude und Erfolg und Follower und es versteht sich jawohl von selbst, dass Du mich zuerst abbonierst!🙂
Bei Fragen bezüglich WP kannst Du Dich immer gerne an mich wenden, sei es per Mail (die ich aber recht selten abrufe) oder einfach hier per Kommentar.

Alle Liebe Dir,
Molly

Männer und Frauen, denen etwas pupsegal ist

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Es gibt ja so Menschen, denen fast alles egal ist. Nicht jetzt unbedingt im fatalistischen Sinne, sondern eher auf eine selbstbewusste, todesverachtene, freigeistliche Art.
Das kann man gut finden oder auch nicht. Auf jeden Fall erstaunen mich solche „Ist mir doch pupsegal, was andere von mir denken“-Menschen, ich finde sie oft sehr inspirierend. Oder erfrischend. Oder mega-cool. Oder doof, je nachdem.
Urteilt selbst:

10. Der 30 km/h fahrende Fahrrad(„Rennrad“)fahrer, der es trotz mehrerer Parkbuchten neben der Straße, Überholverbot auf der Straße und 15 Autos hinter ihm auf der Straße nicht für nötig befand, diese mal eben vorbeizulassen

9. Die Frau, die trotz 100m langer Schlange an der Kasse und trotz eines dicken (und gut sichtbaren) Scheinbündels im Portmonai darauf besteht, die 79 Cent in rotem Kleingeld zusammenzusuchen

8. Die vielen Frauen, die sich die langen, borstigen Haare am und unterm Kinn einfach mal NICHT entfernen

7. Der Mann, der nach dem Essen einfach seine Tischpartnerin angestrahlt hat, ungeachtet der Tatsache, dass er noch nicht auf Toilette war, um seine Zähne zu checken

6. Der Mann, der lautstark die schlecht Deutsch sprechende Kellnerin mit anzüglichen Doppeldeutigkeiten vera*scht

5. Der Mann, der die Optiker-Dame wegen eines Versehens so lange vor allen Leuten zusammenscheißtpampt, bis sie in Tränen ausbricht und ihm zur Wiedergutmachung eine gratis Sonnenbrille in Sehstärke anbietet

4. Der jugendliche Fußballtrainer, der bei Fehlverhalten dann auch einfach mal die Eltern zusammenpampt

3. Menschen, die im Supermarkt mit ihren Einkaufwagen den Gang versperren, weil sie miteinander plaudern wollen

2. Der Radfahrer, der meint, er müsse auf einer Tempo 100-Strecke nicht auf so etwas Lästiges wie die Vorfahrtsregeln achten

1..Die Frau, die zum All-you-can-eat-Chinesen und bauchfrei (!) trägt

Blumen

Du hast mir sehr viel beigebracht.
Vieles davon musste ich mir selbst in Erinnerung rufen. Denn als Du es mir sagtest, hatte ich kein Ohr dafür, keine Zeit, hatte andere Dinge im Kopf. War damit beschäftigt, jung zu sein und verrückt, das ganze Leben war bunt und wild und gut.
Hätte ich doch nur gewusst, dass ich mir Deine Worte konservieren muss!

Ich habe sehr viel von Dir gelernt. Nicht alles, denn zu viele Worte habe ich nicht mit der Aufmerksamkeit bedacht, die sie verdient hätten.
Ich habe Dich nicht immer mit der Aufmerksamkeit bedacht, die Du verdient hattest.
Hätte ich doch nur gewusst, dass ich Dich, die Wärme in Deiner Stimme, das Funkeln in Deinen Augen, die Liebe in Deinen Berührungen konservieren muss!

Du fehlst mir so.

Einer Toten wünscht man nicht „Alles Gute zum Geburtstag“.
Und „Wie schön, dass Du geboren bist, wir hätten Dich sonst sehr vermisst“ klingt wie blanker Hohn.
Ich schreibe eine neue Zeile für Dich: „Du hast mir beigebracht, dass nicht nur das Traurige zu beweinen, sondern auch das Schöne zu feiern ist. Ich bin froh, dass Du eine Weile neben mir gegangen bist“

Ja, ich habe etwas von Dir gelernt. Sogar jede Menge, wenn man es recht bedenkt. Und deshalb bringe ich Dir auch heute Blumen. An Deinem Todestag werden sie längst verblüht sein; das erscheint mir fair.

Vom Anführen

Manchmal hat man sich die Verantwortung gar nicht ausgesucht. Manchmal stolpert man einfach so hinein. Manchmal wird man weder gefragt, noch kann man sich da einfach so herauswinden. Ich als Mutter kenne das.

Es ist ein schöner, sonniger Tag. Aber etwas ist anders: Da sind 10 Leute, die ich auf einmal anführe. Es sind ganz unterschiedliche Leute, grob geschätzt zwischen Ende zwanzig und Anfang Sechzig. Ich kenne diese Leute bislang nur vom Sehen, jetzt muss ich mit ihnen zurecht kommen.

Wenn ich in die Gesichter dieser Menschen schaue meine ich – nennt mich ruhig paranoid! – förmlich zu spüren, wie sie über mich lästern. Nicht, dass ich von den Lippen lesen könnte oder so. Aber manchmal sagt ein Blick mehr als 1000 Worte und hinter so manchem Gespräch oder auch Monolog verbirgt sich sicher eine bittere Anklage gegen mich.
Was soll ich tun?
Nichts, denn auch mir sind die Hände gebunden – verstehen das die Leute denn gar nicht? Obwohl ich ihnen vorstehe, sozusagen an der Spitze bin kann ich noch lange nicht machen, was ich will.
Es ist einsam hier oben.

Nicht jeder ist fügsam und bereit, mir zu folgen, zwei der Leute steigen aus, lassen die Andern und mich zurück. Das tut weh und bereitet mir Schuldgefühle. Aber: es ist nicht meine Schuld! Das muss ich endlich mal lernen und für mich akzeptieren!
Auch Demut, Folgsamkeit und Loyalität sind Tugenden, die man erst lernen muss. Nicht jeder schafft es, seine eigenen Bedürfnisse zum Wohle aller hintenan zu stellen.
„Ich kann doch nichts dafür!“, will ich schreiben, und auch: „Ich habe nie darum gebeten, Euch anzuführen!“
Die Unzufriedenheit steigt.
Ich bleibe meiner Linie treu.
Wie wird es enden?

Ich sehe einen Mann, der ebenfalls Menschen anführt, etwa 8-10. Für einen kurzen Augenblick treffen sich unsere Blicke.
„Meine Schwester im Leid“, verkünden seine schmerzerfüllten Augen, sein vom stummen Schrei aufgerissener Mund.
„Mein Bruder“, nicke ich zurück.
Ich spüre eine Wärme der Verbundenheit in meinem Herzen und für diesen einen einzigen Moment spüre ich die Woge des Hasses in meinem Rücken nicht mehr.

Dann holt mich die Wirklichkeit wieder ein und ich bin mir wieder jedes einzelnen Menschen derer bewusst, die mir folgen. Spüre ihre Wut und ihren Zorn in meinem Rücken. Wann hat das endlich ein Ende? Wann ist diese blöde Baustelle endlich vorbei und ich darf wieder 100 fahren?